Ich sitze hier, meine Krallen tief in das kalte Holz des Fensterbretts gegraben, und beobachte, wie sich die Welt da draußen dreht. Für ein Wesen meiner Art – klein, schuppig und farblich perfekt auf die tiefste Nacht abgestimmt – ist Zeit ein seltsames Konstrukt. Wie soll man ein ganzes Leben, diese unendliche Kaskade aus Flügelschlägen und Feuerstößen, innerhalb weniger Minuten der Öffentlichkeit preisgeben? Es ist ein ironisches Unterfangen: Magisch? Sicherlich. Erhellend? Hoffentlich.
Draußen ziehen die Wolken vorbei, und ich begreife einmal mehr: Alles ist eins. Ich bin ein kleiner Drache, ja, aber ich bin auch ein Funke des großen planetaren Bewusstseins. Wir sind alle Kinder dieser Erde, Individuen im Ozean des Geistes, und doch untrennbar verwoben mit der großen Evolution, die uns vorantreibt.
Lange Zeit saß ich hier im Schatten, die Schwingen eng angelegt, und fragte mich, wie ich diese Gedanken der Realität anvertrauen darf. Die Antwort kam nicht durch langes Grübeln, sondern durch das einfache Flüstern eines guten Freundes:
„Einfach machen.“
Also mache ich. Mein Dank gilt jedem Wesen auf diesem wunderschönen Planeten. Wenn ich könnte, würde ich jedem von euch eine Dankbarkeitsraupe schicken – ein kleines, kriechendes Wunder, das euch in eurem ganz persönlichen „Struggle of Life“ die Füße küsst. Ich weiß um den Schmerz des Aufstiegs und die Freude des Gleitflugs.
Besonders meiner Familie gilt mein tiefstes Grollen der Zuneigung. In den dunklen Höhlen meiner eigenen Depression fehlten mir oft die Worte und die Zeit, meine Liebe auszudrücken. Doch die Energie schwingt weiter, durch Leid und Genuss, vom winzigen Kieselstein bis zum höchsten Gipfel.
Seit jenem schicksalhaften Tag im Jahr 2018 habe ich gelernt: Um das Feuer der Gegenwart zu verstehen, muss man die Asche der Vergangenheit studieren. Manchmal verzweifelt man an den Antworten, nur um festzustellen, dass sie neue Fragen gebären – eine unendliche Kaskade, die uns wie Fesseln umschlingen mag. Doch hört mir gut zu: Diese Fesseln, diese Grenzen, die uns scheinbar einschränken, bilden wir uns selbst. Und nur wir – mit einem kräftigen Flügelschlag und einem mutigen Herzen – können sie durchbrechen, um neue Freiheiten zu finden.
Ich rücke meine Schuppen zurecht, atme eine kleine Rauchwolke gegen die Scheibe und lade dich ein: Tritt ein in meine Welt.
